Roland
Seminar: Natürliches Sprechen vom 23.-25.4.04 in Ortenberg
Ja, ich habe früher – und auch heute noch – oft den FEHLER gemacht, PERFEKT SPRECHEN ZU WOLLEN. Warum dieser Irrwille da ist/war und den wir, die Stotterer, wohl fast alle haben, bleibt jedem selbst überlassen – da wir alle ähnliche und doch individuelle Geschichten haben.
Jedenfalls habe ich für mich gemerkt, dass ich mit dieser Trotzigkeit, um’s Verrecken fließend sprechen zu wollen, doch immer wieder nur mir selbst im Wege stehe – und so auf Dauer nicht weiter komme. Mit dieser Erkenntnis der seelischen Selbstvergewaltigung beginnt vielleicht alles. Dann ging’s bei mir an die Suche nach den Methoden, von denen ich mir Unterstützung erhofft hatte. Logopädenbesuche, Van Riper (Stottern auf Teufel komm raus – zur Desensibilisierung) und permanentes, peinliches Tönen mit geschwollener Brust wie der Hirsch im Wald (bloß um meinen Mitmenschen ja flüssig reinzulaufen) waren nicht gerade nach meiner Geschmacksrichtung. Wo bleibt denn da die Natürlichkeit des eigenen Sprechens? Naja, und beim autogenen Training – zur Entspannung und inneren Ruhe – bin ich ja doch nur eingeschlafen. Also wurde weiter gesucht.
Dann das April-Seminar “Natürliches Spreeken” (“_”) nach Hausdörfer. Erfüllt von Skepsis – wie eigentlich immer bei solchen Veranstaltungen – ging ich “halt mal” dort hin und ließ es auf mich wirken. Ich bin froh, dass ich an diesem Seminar teilgenommen habe. Hausdörfers Lehre und Nachlass haben mich schwer beeindruckt. Mit dessen Sprechgesetz und der Analyse der ganzen Problematik habe ich wirklich handfeste Dinge, mit denen ich an mir arbeiten kann – und mit denen mir das Arbeiten an mir selbst auch Spaß macht! Durch gute Dozenten, ein abwechslungsreiches Programm und Anschaulichkeit wurde uns die Hausdörfer-Geschichte nähergebracht bzw. für einige auch wieder aufgefrischt. Und weil man sich bei so ‘nem prallen Wochenende nicht alles merken kann, was wichtig ist, gab’s auch noch ein Arbeitsheft mit auf den Heimweg. Und das gehe ich nun langsam, aber stetig durch. Warum erzähle ich das und was hat Hausdörfer “mit mir gemacht”? Ich habe einen Weg gefunden, der es mir ermöglicht, das Stottern so zu handhaben, dass es mich nicht mehr behindert bzw. dass ICH MICH nicht mehr selbst behindere. Ich denke, dass sich meine Sichtweise, die ich auf Hausdörfer habe, auf nicht groß ändern wird. Gerade weil mit Fakten – wie z.B. das Sprechen, der Redefluss tatsächlich zustande kommt und was psychologisch im Hintergrund synchron abläuft, wie das Stottern entsteht usw. – gearbeitet wird, kann ich damit wohl am meisten anfangen. Bei den anderen Ansätzen (wie oben genannt), die ich kennenlernte, hatte ich eher so den Eindruck, dass ich mich selbst hintergehe und es getürktes Sprechen sei. Dieser neue Weg – so kommt es mir jedenfalls vor – geht mit einer mehr oder weniger leichten Persönlichkeitsveränderung einher. Und das ist gut so. Denn mittlerweile glaube ich, dass wir Stotterer oft eine Veränderung bzw. Korrektur unseres Selbstbildes/Weltbildes – bezogen auf das Sprechen – nötig haben. Denn es sind nie die anderen – es sind immer nur wir selbst…. Aber ich will hier nicht die Hausdörfer Lehre erläutern oder Schleichwerbung betreiben. Ich habe das für mich Passende gefunden, so wie es jeder für sich selbst finden muss. Wie üblich sind auch hier solche “Schlüsselqualifikationen” wie Optimismus, Geduld, Durchhaltevermögen, Bewußtheit und der Wille zur Veränderung unabdingbar.
Mit Veränderung ist nicht das flüssige Sprechen als Ziel gemeint! Hilf Dir selbst, es nimmt Dir keiner ab – alles Gute (“_”) .
