Peter
Seminar: Natürliches Sprechen vom 23.-25.4.04 in Ortenberg
“In idyllischer Umgebung in dem auf einer Anhöhe gelegenen Ortenberger Schloss erfahren wir, dass die Lehre von Hausdörfer weitaus mehr beinhaltet, als nur mit übertriebenem Tönen zu sprechen.” Dieser Satz aus der Seminarbroschüre der BV hat sich für mich an diesem Wochenende tatsächlich bestätigt. Die Referenten Jan Heuvel und Arno Markmann haben uns mit einem abwechslungreichen und interessanten Programm gezeigt, dass Hausdörfer in der Tat viel mehr ist als das.
Zu Beginn standen zunächst einmal die Angst und die Hemmungen im Vordergrund, die jeder von uns schon in so vielen Situationen erlebt hat. Durch Übungen, deren “Schwierigkeiten” er immer weiter steigerte, schaffte Jan es jedoch bald, die Empfindlichkeiten innerhalb der Gruppe Schritt für Schritt zu senken und Vertrauen zu schaffen. Auf diesem Boden brachten die anschließenden Vorstellungen der Seminarteilnehmer dann so manches interessante Detail zum Vorschein. Ein wenig müde aber doch ausgelassen endete der Abend später als erwartet in gemütlicher Runde. Die Gitarren, die Peter, Arno und Florian mitgebracht hatten, der Wein, aber auch der Spaß und die gute Stimmung sorgten dafür, dass viel gesungen und gelacht wurde.
Am Samstag haben wir uns mit Jan’s Hilfe den theoretischen Hintergrund zum Natürlichen Sprechen gemeinsam weiter erarbeitet und das Erlernte Schritt für Schritt in vielen Übungen zunächst im “Schonraum Seminarzimmer” angewendet und ausprobiert. Diese Übungen, das Erleben und Genießen des Tones und das Gefühl “Ich kann sprechen” sind ein sehr wichtiger Teil des Seminars. Bildet doch das Sprechgesetz nach Oskar Hausdörfer: “Willkürlich Ton, unwillkürlich Mundstellungen” das Fundament, die Grundlage des Natürlichen Sprechens.
Doch bald darauf lockten uns das wunderschöne Wetter und die neu erfahrene Sicherheit und Sprechruhe nach draußen. Aber auch hier haben wir vor der eigentlichen Sprechaufgabe zunächst am Phlegma gearbeitet. Der anschließende kurze Vortrag vor der Gruppe auf dem Schlosshof stellte dann kein wirkliches Problem mehr dar. Ganz im Gegenteil, durch die richtigen Ziele, die Sprechruhe, das Wissen “Ich kann sprechen” und die erfolgreiche Arbeit am Phlegma konnte ich den Ton steuern und es genießen eine kurze Rede zu halten.
Am Nachmittag schloss sich eine Informationsveranstaltung des Landesverbandes Baden-Württemberg an, zu der etliche Gäste den Weg hinauf zur Jugendherberge gefunden hatten. Ein Teil der Seminarteilnehmer nutzte jedoch (- obwohl das von den Organisatoren sicher so nicht geplant war …) das wunderschöne Wetter für einen Spaziergang durch die Weinberge rund um Ortenberg. Als Buße und als Training des Phlegmas haben wir dann aber auf der Terrasse eines Cafes bewusst und übertrieben getönt. Und nach der Rückkehr zur Jugendherberge natürlich wie alle Anderen auch einen Vortrag vor der Gruppe und den Gästen gehalten. Das war sicherlich einer der Höhepunkte des Seminars für jeden Teilnehmer. Die Freude im Gesicht einer Teilnehmerin zu sehen, die zum ersten Mal während des Seminars erleben konnte, wie schön es ist laut vorzulesen, den Ton dabei zu hören, mit ihm zu spielen und es zu genießen, dass war der Höhepunkt des Seminars für mich.
Ich danke Jan und Arno für ein tolles Seminar, dass mir in der Tat gezeigt hat, dass Hausdörfer viel mehr ist als übertriebenes Tönen. Ich danke aber auch Bruno, Manfred, Roland, Sonja, Tina, Andrea, Birgit, Peter, Thomas, Sabine, Winfried und Florian für ihre Offenheit und ihr Vertrauen. Denn Sie haben das Seminar zu dem gemacht, was es geworden ist.
“Ich kann sprechen”, mit diesem Wissen bin ich am Sonntag nach einem wirklich tollen Seminar zurück ins Rheinland gefahren. Nun liegt es an mir, dieses Wissen so oft zu genießen, wie immer ich es brauche.
